110 Datenfelder. 94 davon verpflichtend. Und ein Drittel liegt nicht bei Ihnen.
Der EU-Batteriepass wird oft als „ein QR-Code auf der Batterie" beschrieben. Tatsächlich steht dahinter ein präzise definierter Datensatz: rund 110 Attribute, abgeglichen mit Anhang XIII der Verordnung (EU) 2023/1542 und der harmonisierten deutschen Norm DIN DKE SPEC 99100:2025. 94 dieser Attribute sind ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend. Der schwierige Teil ist nicht die Software — es ist, dass ein erheblicher Anteil dieser Daten beim Zelllieferanten liegt und nicht bei Ihnen.
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Kurz gesagt: der Batteriepass verlangt rund 110 Attribute, davon 94 ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend — und die Felder, die Projekte aufhalten (CO₂-Fußabdruck, Rezyklatanteile, Sorgfaltspflichten), entstehen mehrere Stufen weiter oben in der Lieferkette.
Wie sich die 110 Attribute verteilen
Die Verteilung ist ungleich, und genau das ist für die Projektplanung entscheidend:
Leistung (22) und dynamische Nutzungsdaten (21) — zusammen der größte Block. Die dynamischen Daten (Ladezustand, Gesundheitszustand, Zyklenzahl, Energiedurchsatz, Zeit in Extremtemperaturen) lassen sich zum Markteintritt gar nicht ausfüllen, weil sie erst im Betrieb entstehen.
Identität (13) und Rezyklatanteile (13) — Rezyklat ist kein einzelner Prozentwert, sondern vier Metalle mit jeweils getrennten Prä- und Post-Consumer-Anteilen.
Die vollständige Liste mit Feldschlüsseln, Datentypen und Zugriffsstufen finden Sie in der kompletten Feldreferenz — filterbar und frei nutzbar.
Nicht alles ist öffentlich: die drei Zugriffsstufen
Anhang XIII staffelt den Zugriff, und das wird in der Praxis häufig übersehen:
Öffentlich zugänglich (82 Attribute) — Modellinformationen, die jeder über den QR-Code abrufen kann.
Berechtigtes Interesse (26 Attribute) — detaillierte Zusammensetzung, Ersatzteile, Demontage- und Sicherheitsinformationen sowie sämtliche dynamischen Einzelbatteriedaten. Zugänglich für Recycler, Reparaturbetriebe und Second-Life-Betreiber.
Behörden (2 Attribute) — Ergebnisse der Prüfberichte, die die Konformität belegen. Nur für notifizierte Stellen und Marktüberwachungsbehörden.
Wer den Pass so aufsetzt, dass alles öffentlich ist, veröffentlicht Wettbewerbsinformationen ohne Not. Wer alles einschränkt, erfüllt die Pflicht nicht. Die Stufen sind pro Attribut vorgegeben.
Warum DIN DKE SPEC 99100 hier relevant ist
Die Verordnung nennt die Anforderungen, aber nicht die konkrete Feldstruktur. DIN DKE SPEC 99100:2025 ist die harmonisierte deutsche Spezifikation, an der sich die Battery-Pass-Content-Guidance orientiert hat, und sie führt die Datenattribute in einer Longlist auf — mit Kennzeichnung, welche verpflichtend und welche empfohlen sind.
Praktisch heißt das: Wenn Ihr Lieferant oder Ihr Softwareanbieter „Batteriepass-konform" sagt, ist die sinnvolle Rückfrage nicht „haben Sie ein Zertifikat", sondern „gegen welche Feldliste haben Sie abgeglichen, und welche Klausel deckt welches Feld ab". Ein Anbieter, der darauf keine Antwort hat, hat den Abgleich nicht gemacht.
Die drei Felder, an denen Projekte scheitern
Aus der Struktur des Datensatzes ergibt sich, wo es klemmt — und es ist immer dieselbe Stelle:
CO₂-Fußabdruck. Eine berechnete Erklärung nach vorgegebener Methodik, keine Schätzung und kein Branchenwert. Sie entsteht beim Zell- oder Batteriehersteller.
Rezyklatanteile. Für Kobalt, Lithium, Blei und Nickel getrennt, nachweisgeführt durch die Lieferkette — und nach jedem Wechsel der Zellquelle ungültig.
Sorgfaltspflichten in der Lieferkette. Angaben zur Beschaffung, die mehrere Stufen oberhalb Ihres direkten Lieferanten entstehen.
Alles drei hat Vorlaufzeit von Monaten, nicht Wochen. Wer im vierten Quartal 2026 anfängt, hat Puffer; wer im Januar 2027 anfängt, hat keinen. Die Felder aus Leistung und Haltbarkeit dagegen stecken meist schon in Ihren eigenen Prüfberichten — dort lässt sich schnell sichtbarer Fortschritt erzielen.
Häufige Fragen
Wie viele Datenfelder hat der Batteriepass genau?
In der Umsetzung gegen Anhang XIII und DIN DKE SPEC 99100:2025 sind es rund 110 Attribute, von denen 94 ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend sind. Die übrigen sind empfohlen oder warten noch auf finale Detailregelungen.
Sind alle Daten im Batteriepass öffentlich einsehbar?
Nein. 82 Attribute sind öffentlich zugänglich, 26 nur für Personen mit berechtigtem Interesse — etwa Recycler und Reparaturbetriebe — und 2 ausschließlich für notifizierte Stellen und Marktüberwachungsbehörden. Die Stufe ist je Attribut festgelegt.
Müssen wir den CO₂-Fußabdruck selbst berechnen?
Die Erklärung muss nach der vorgeschriebenen Methodik berechnet werden und entsteht dort, wo die Zellen oder die Batterie hergestellt werden. Als Pack-Assembler fordern Sie sie an — schätzen Sie sie nicht. Ein nicht belegbarer Wert macht den Pass unrichtig, und das fällt auf den zurück, der ihn veröffentlicht hat.
Was passiert mit den dynamischen Daten wie dem Gesundheitszustand?
Diese Attribute entstehen erst im Betrieb und können zum Markteintritt nicht befüllt werden. Der Pass ist deshalb ein fortlaufend gepflegter Datensatz und kein Dokument, das einmal abgelegt wird — das ist der wesentliche Unterschied zur klassischen Konformitätsdokumentation.