Software für den digitalen Produktpass — welche Anbieter gibt es?
Wer den Batteriepass bis zum 18. Februar 2027 umsetzen muss, steht schnell vor der Anbieterfrage — und findet einen Markt, in dem fast niemand Preise nennt und jeder „Ende-zu-Ende-Compliance" verspricht. Diese Seite ordnet die Anbieter nach dem, was sie tatsächlich sind, nennt die einzigen öffentlich verfügbaren Zahlen mit Datum und Quelle, und sagt am Ende auch, wo wir selbst nicht die richtige Wahl sind.
Zuletzt aktualisiert:
Kurz gesagt: der Markt zerfällt in drei Typen — Traceability-Plattformen für Konzerne, Self-Service-SaaS für den Mittelstand und Etiketten- und Trägerspezialisten. Der teuerste Fehler ist, den falschen Typ zu kaufen, nicht den falschen Anbieter innerhalb eines Typs.
Drei Typen von Anbietern — und für wen sie gedacht sind
Fast jeder Anbieter beschreibt sich als Komplettlösung. Praktisch unterscheiden sie sich aber deutlich in Herkunft und Zuschnitt:
Traceability- und Lieferkettenplattformen. Herkunft: Lieferkettentransparenz, oft mit Blockchain-Hintergrund. Stärke: tiefe Rückverfolgbarkeit über viele Stufen. Zuschnitt: Konzernprojekte mit Integrationsbudget. Beispiele: Circularise, Spherity, Kezzler, Protokol, iPoint.
Self-Service-SaaS. Herkunft: Software für den Mittelstand. Stärke: in Tagen statt Quartalen produktiv, veröffentlichte Preise, kein Integrationsprojekt. Zuschnitt: Hersteller und Importeure mit überschaubarer Produktzahl. Beispiele: OpenDPP, PassPer.
Etiketten- und Trägerspezialisten. Herkunft: Kennzeichnung, RFID, Materialtechnik. Stärke: der physische Datenträger am Produkt. Zuschnitt: Ergänzung, selten die vollständige Passportlösung. Beispiel: Avery Dennison.
Die Typfrage entscheiden Sie in zwei Minuten. Zählen Sie, wie viele wirklich verschiedene Produktfamilien Sie in Verkehr bringen — Datenmodelle, nicht Artikelnummern — und wie viele Lieferstufen Sie nachweisen müssen. Eine Handvoll Familien und direkte Lieferanten: Self-Service-SaaS, und ein Integrationsprojekt wäre verschwendetes Geld. Dutzende Familien über mehrere Zulieferstufen mit Geheimhaltungsbedarf zwischen den Parteien: Traceability-Plattform, und ein SaaS-Abo würde die eigentliche Aufgabe nicht lösen. Die meisten Mittelständler, die uns anrufen, überschätzen die eigene Zahl übrigens um ein Vielfaches, weil sie Varianten mitzählen.
Dazu kommt ein vierter, oft übersehener Weg: Beratung statt Software. Sinnvoll, wenn die Frage lautet „was gilt eigentlich für uns?" — untauglich, wenn der Pass danach über Jahre gepflegt werden muss. Der Unterschied ist in der Kostenübersicht ausgeführt.
Was die Anbieter tatsächlich veröffentlichen
Am 11. August 2026 haben wir zwölf Anbieterseiten auf veröffentlichte Preise geprüft. Genau einer nannte Zahlen. Einer hatte eine Preisseite ohne Zahlen. Der Rest führte zu „Kontakt aufnehmen" oder hatte keine auffindbare Preisseite. Das ist keine Kritik am Produkt — vertriebsgetriebener Enterprise-Verkauf ist ein legitimes Modell —, aber es ist eine Information, die Sie für Ihre Planung brauchen.
Narravero (DE) — der einzige Anbieter mit veröffentlichten Zahlen: optionaler Pilot ab 8.000 € einmalig, „Pro"-Tarif ab 2.500 € pro Monat. Fairerweise dazu: das ist ein Ab-Preis, und der Pro-Tarif enthält ausdrücklich Marketingfunktionen (interaktive Pässe, Storytelling, Cross-Selling, Scan-Auswertungen) — also kein reines Compliance-Produkt.
Circularise (NL) — Preisseite vorhanden, ohne Zahlen. Starke Lieferkettentiefe, Fokus auf Konzernketten.
iPoint (DE), Spherity (DE), Kezzler (NO), Protokol (NL) — keine öffentliche Preisliste an den geprüften Stellen. Enterprise-Zuschnitt, Angebot nach Gespräch.
OpenDPP — Self-Service-SaaS mit veröffentlichten Preisen (zum Prüfzeitpunkt 99/499/899 € pro Monat, kostenloser 7-Tage-Pilot).
PassPer — 79–719 € pro Monat, 21-Tage-Pilot, keine Einrichtungsgebühr; die Full-Service-Staffel (Gap Report 1.900 €, Sprint 4.900 €, Launch 9.500 €) ist ebenfalls veröffentlicht.
Alle Angaben mit Stand des Prüfdatums. Preise ändern sich; das Datum gehört deshalb dazu.
Zehn Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten
Diese Fragen trennen Anbieter schneller als jede Funktionsliste — auch uns:
Was kostet es konkret, schriftlich, für meine Produktzahl?
Rechnen Sie pro Pass, pro Scan, pro Artikelnummer oder pauschal ab? Was passiert mit meiner Rechnung, wenn sich ein Produkt zehnmal so gut verkauft wie geplant?
Kann ich alle Daten jederzeit in einem offenen Format exportieren?
Was passiert vertraglich mit der Auflösung der Pässe, wenn Sie den Betrieb einstellen? Batteriepässe müssen bis zu 15 Jahre erreichbar bleiben.
Wo werden die Daten gehostet, und wer hat Zugriff?
Unterstützen Sie GS1 Digital Link als Datenträger — und in welcher Form?
Wie kommen Lieferantendaten ins System, ohne dass jeder Lieferant ein Konto anlegen muss?
Welche der 94 Pflichtfelder füllt Ihr System automatisch, und welche muss ich liefern?
Was genau ist heute gebaut, und was steht auf der Roadmap? Bitte getrennt.
Welche Zertifizierungen haben Sie tatsächlich — und welche stehen nur auf der Roadmap?
Die letzte Frage lohnt sich besonders. In diesem Markt wird „zertifiziert" häufig lockerer verwendet, als es die Norm hergibt.
Wo PassPer passt — und wo nicht
Damit Sie nicht raten müssen:
Passend, wenn Sie Hersteller oder Importeur mit einer überschaubaren Zahl von Produktfamilien sind, der Batteriepass Ihr konkretes Problem ist, Sie ohne Integrationsprojekt starten wollen und Wert darauf legen, den Preis vorher zu kennen. Genau dafür ist das Produkt gebaut, und deshalb stehen die Preise öffentlich.
Nicht passend, wenn Sie mehrstufige Rückverfolgbarkeit über eine komplexe Lieferkette mit vielen Beteiligten brauchen — dafür sind die Traceability-Plattformen gebaut und wir wären die schlechtere Wahl. Ebenso wenig, wenn Sie einen Bevollmächtigten oder EPR-Registrierungen benötigen: beides bieten wir nicht an, dafür brauchen Sie einen separaten Dienstleister. Und wenn zuerst die Frage „sind wir überhaupt betroffen?" zu klären ist, ist Beratung der günstigere erste Schritt als jede Lizenz.
Wenn Sie schlicht wissen wollen, wo Sie stehen, kostet das nichts: der Readiness-Check dauert zwei Minuten, und die vollständige Feldliste ist frei veröffentlicht — auch als JSON und CSV unter CC BY 4.0, ohne Anmeldung.
Häufige Fragen
Welche Anbieter für den digitalen Produktpass gibt es?
Der Markt gliedert sich in drei Typen: Traceability-Plattformen für Konzernlieferketten (Circularise, Spherity, Kezzler, Protokol, iPoint), Self-Service-SaaS für den Mittelstand (OpenDPP, PassPer) und Etiketten- beziehungsweise Trägerspezialisten wie Avery Dennison. Entscheidend ist zuerst der Typ, dann der Anbieter innerhalb des Typs.
Was kostet Software für den digitalen Produktpass?
Veröffentlichte Zahlen sind selten. Von zwölf am 11. August 2026 geprüften Anbietern nannte einer Preise: Narravero mit einem optionalen Piloten ab 8.000 € einmalig und einem Pro-Tarif ab 2.500 € monatlich, wobei dieser Tarif auch Marketingfunktionen enthält. PassPer veröffentlicht 79–719 € pro Monat ohne Einrichtungsgebühr.
Brauche ich eine Plattform oder reicht Beratung?
Beratung hilft bei der Frage, was für Sie gilt und wo Ihre Daten stehen. Sie löst aber nicht die Daueraufgabe: ein Pass muss über die regulierte Lebensdauer erreichbar und aktuell bleiben, bei Batterien bis zu 15 Jahre. Die übliche Reihenfolge ist deshalb Beratung für die Klärung, System für den Betrieb.
Worauf sollte ich bei einem Anbieter besonders achten?
Auf drei Punkte: das Abrechnungsmodell (pro Pass, pro Scan oder pauschal — pro Scan wird teurer, je erfolgreicher Ihr Produkt ist), die Exportierbarkeit der Daten in einem offenen Format, und was vertraglich mit der Auflösung der Pässe passiert, wenn der Anbieter den Betrieb einstellt.